Bevor wir auf den Presseartikel eingehen, haben wir ein uns vom Kreisveterinäramt Ostholstein zugesandtes Schreiben abgebildet, welches wir erbeten hatten. Hierin wird uns bestätigt, dass zu unserer Rinderhaltung nach einer Vor-Ort-Kontrolle kein Anlass zu einer Beantsandung bestand:

Jetzt zum Grund zur Bitte dieser amtlichen Bestätigung:


Im örtlichen Ostholsteiner Anzeiger ist am 31.01.2015 auf Seite 4 der u.a. mehrspaltige Artikel mit einem Bild erschienen. Er hat uns sehr betroffen gemacht, da dort ein ausführlicher Bericht von unsachgemäßer und schlechter Rinderhaltung beschrieben wird.

Was uns besonders betroffen gemacht hat, ist der für den Leser im ersten Satz des zweiten Absatzes schnell zu vermutenden Zusammenhang, dass eben dieses auch auf unsere Winterweidenhaltung zutrifft, was jedoch in keinster Weise zutrifft.

Auch wird auf dazu ein Bild von dem Teil der Weide gezeigt, welches matschig ist. Der Redakteur hat uns zu keinem Zeitpunkt gefragt,  woher der Matsch stammt, obwohl auch jeder Laie erkennen kann, dass es Treckerspuren sind.

Ein uns bekannter Rechtsanwalt, dessen Schwerpunkt das Spezialgebiet „Äußerungsrecht“ ist, riet uns von einem juristischen Gegenangehen ab, da der Darstellung von Befürchtungen in der Presse von der Rechtsprechung ein weiter Raum gegeben wird. Es wurde ja eben nicht behauptet, dass es genauso auf unsere Winterweidenhaltung zutrifft. Wir sollten uns auf einen freundlichen und offenen Leserbrief beschränken. Aber auch diesen müsse die Zeitung nicht veröffentlichen oder kann Passagen streichen.

Nun haben wir einen Leserbrief geschrieben, der auch als Kommentar im Internet (unter Streichung des ersten Absatzes mit dem Hinweis: Passage gelöscht wegen falscher Behauptungen) zurzeit noch hinter dem Artikel zu lesen ist.

Wir wissen nicht, ob Sie sich vorstellen können, wie ohnmächtig man sich ob solcher Artikel fühlt. Ein Bekannter, dem ähnliches widerfahren ist meinte recht treffend: Es fühlt sich an wie eine Vergewaltigung.

Aber machen Sie sich selbst einen Eindruck von dem Artikel und daran anschließend von unserem offenen Leserbrief.

Der direkte Link zum Artikel: http://www.shz.de/lokales/ostholsteiner-anzeiger/wo-rindermist-zur-gefahr-wird-id8834861.html

 

Artikel vom 31.01.2015 auf Seit 4 des Ostholsteiner Anzeigers:

Eine Herde von 39 Robust-Rindern direkt an der Schwentine lässt den Sibbersdorfer See zu einer „Sedimentfalle“ werden

Robust-Rinder leben meistens das ganze Jahr hinweg auf Weiden in der freien Natur. Im Sommer sehen die zotteligen Tiere auf den saftig-grünen Wiesen noch ganz putzig aus. Doch im Winter wendet sich oft das Blatt: Die Grasnarbe ist zertreten, Tiere stehen über Monate oft knietief auf dem matschigen Acker in ihrem eigenen Mist.

Die Exkremente gären so vor sich hin, reichern peu à peu den Boden mit Ammonium und Kalium an. Und wenn diese Mischung ausgewaschen vom Feld in ein Gewässersystem einsickert, kommt es aufgrund des
starken Nährstoffeintrages schnell zur Überdüngung der Gewässer. Und am Ende des biologischen Prozesses ist in einem „umgekippten“ Gewässer kein Leben mehr möglich.

So ein „Schauspiel“ ist in diesen Wochen direkt am Verlauf der Schwentine kurz vor dem Einfluss in den Sibbersdorfer See vor der Möweninsel zu beobachten. Dabei laufen kostspielige Bemühungen, die Schwentine als Lebensader der Holsteinischen Schweiz mit Hilfe der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu einem für Wirbellose und Fische sauberen und durchgängigen Gewässer zu machen.

Doch jetzt lebt direkt am Einfluss der Schwentine in den Sibbersdorfer See eine Herde von 39 Robust-Rindern unter der Regie der „Schwentine-Rind GbR“. Die Gesellschaft setzt sich aus Christoph Greifenhain, Edda Kreidelmeyer und Jürgen Stange zusammen und firmiert unter „Bioland – Rinderzucht im Einklang mit der Natur“.

Doch dieser Einklang mit der Natur ist oft nicht ganz einfach. Die Freilandhaltung von Rindern ist ein sehr komplexes System, das an die Tiere und die Umwelt angepasst werden muss und meistens nicht so nebenbei zu erledigen ist, wie es sich viele Zuchtgemeinschaften zu Beginn der Ausübung ihres Hobbys und Nebenverdienstes vielleicht vorstellen. Nach ihrem Verständnis werden die Herden zur Naturpflege eingesetzt. Aber: Auch Tiere wirken auf ihre Umwelt.

„Unserere Interessengemeinschaft ist eigentlich aus der Not der Umweltverbände her entstanden, die für ihre ,flickenteppichartigen’ kleineren Weiden keine Landwirte fanden, die diese bewirtschaften wollten“, sagte Jürgen Stange, der auch politisch für die Grünen in der Eutiner Stadtvertretung arbeitet, dem OHA. Seit fünf Jahren schon diene das 6,3 Hektar große Land am Sibbersdorfer See als Winterweide.

Doch durch den derzeit extrem nassen Winter wird die Hälfte durch große Wasserflächen bedeckt. Stange: „Das konnten wir nicht vorhersehen. Ideal ist der Zustand jetzt nicht.“ Hungern aber müssten die Tiere nicht: Den Galloways würden, je nach Bedarf und Futterlage, reine Bio-Heulageballen, das von eigenen Weiden stamme, zugefüttert.

Angesichts der zerstörten Grasnarbe will Stange im Sommer das betroffene Weidestück neu ansäen. Außerdem solle die Herde auf 30 Tiere reduziert werden. Stange kündigte als Sofortmaßnahme an, die Herde durch einen Elektrozaun provisorisch vom Sibbersdorfer See und der Schwentine fernzuhalten und einen noch breiteren Gewässerschutzstreifen zu schaffen.

Ob das noch größere Schäden abwendet, bezweifelt jedoch die Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten. Sie bewirtschaftet den Sibbersdorfer See und klagt schon jetzt über eine Sichttiefe im Sommer von nur 25 Zentimeter und einer „grünen Brühe“ als Seewasser. „Selbst im November beobachte ich im eutrophierten See noch eine kräftige Algenblüte“, schüttelt Schwarten den Kopf.

Nährstoffe seien für einen See zwar gut – aber nicht in dieser Masse. Nur mit einer starken Entnahme von Fischen als Biomasse könne sie der Überdüngung entgegen wirken. Im Sommer sei die Bildung von Schwefelschlamm am Grund des Sees erkennbar: „Dann steigen Luftblasen empor, die wie faule Eier stinken“, berichtet Sabine Schwarten.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat den ökologischen Zustand des Sibbersdorfer Sees erst im vergangenen Jahr mit der schlechtesten Benotung, der Note 5, eingestuft. „Es gibt Niederungsflächen, da sollten Robust-Rinder einfach nicht stehen“, meint auch Hanna Kirschnick-Schmidt, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Ostholstein. Allerdings fehle es in der Region an trockenen Hochlandflächen. Das bestätigte auch Jürgen Stange: „Wir suchen schon seit drei Jahren eine vernünftige Winterweide, damit sich die Situation entspannt.“

„Die Verunreinigung durch die Ausscheidungen der Rinder schädigt die Schwentine und den Sibbersdorfer See auf vielfache Art“, sagte Diplom-Biologe und Fischereiberater des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein, Martin Purps. Die Fäkalien verursachten zunächst eine Sauerstoffzehrung durch den bakteriellen Abbau der Inhaltsstoffe. Dabei würden aus den Stickstoffverbindungen die für Wasserorganismen gefährlichen Giftstoffe Ammoniak und Nitrit freigesetzt.

Partikel und Schlamm setzten sich auf die Gewässersohle der Schwentine und in das Kieslückensystem, verstopften es und erstickten dort das Leben. Besonders betroffen, so Martin Purps, seien empfindliche Insekten und Eier und Larven von Fischen.

Der Sibbersdorfer See wirke in diesem Fall wie eine große „Sedimentfalle“. Dort setzten sich eingeschwemmte Substanzen ab und bildeten eine dauerhaft nährstoffreiche Schicht, die extreme Planktonblüten und Sauerstoffmangel förderten. Purps: „Die Ausscheidungen von Rindern aus Flächen ohne Uferrandstreifen kann sich fatal auf die ökologische Qualität der verunreinigten Gewässer auswirken.“ Doch die seien auch schon ohne diese Verunreinigung zu hoch mit Nährstoffen belastet.

 

 

Es folgt jetzt unser Leserbrief, der von uns als Kommentar ins Internet gestellt wurde (mit dem von Herrn Kuhr gestrichenen ersten Absatz, der aber den Tatsachen entspricht; die Fotos hat Herr Kuhr allein und ohne unser Beisein gemacht) in kursiver Schrift):

Wo Rindermist zur Gefahr wird – Offener Brief als Entgegnung -

Lieber Herr Kuhr,

(Passage gelöscht wegen falscher Behauptungen)

[dieser zensierte Absatz lautet:
es ist so schade, dass Sie  die Chance nicht genutzt haben, vor dem Schreiben des Berichts direkt vor Ort mit uns die Situation zu begutachten, Einzelheiten zu hinterfragen und anhand der Tatsachen Ihre Befürchtungen und unsere weiteren Absichten zu besprechen. Wir hatten um sachliche Berichterstattung gebeten und um eine vollständige Recherche. Sie sagten uns  dazu am Freitag am Telefon nur: „Ich bringe den Artikel am Sonnabend; Sie können ja dann dazu Stellung nehmen.“ Das möchten wir nun wie folgt tun:]


In den ersten zwei Absätzen des Artikels beschreiben Sie drastisch und zunächst allgemein nicht hinnehmbare Zustände in der Tierhaltung, unter anderem, dass „Tiere über Monate oft knietief auf dem matschigen Acker in ihrem eigenen Mist stehen. Sie schreiben von Exkrementen, die vor sich hin gären usw.. Es folgt dann der für uns verheerende Satz, der die Verbindung dieser Darstellungen zu unserer Herde suggeriert und mit Fotos unterstreichen soll: So ein „Schauspiel“ ist in diesen Wochen direkt am Verlauf der Schwentine kurz vor dem Einfluss in den Sibbersdorfer See vor der Möweninsel zu beobachten.

Richtig ist, dass die Aufweichung des Bodens fast ausschließlich durch das Befahren mit dem Trecker her rührt, mit dem wir die ursprünglich dort gelagerten Bio-Heulageballen zu den Raufen verbracht haben. Es wird jedoch der Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um Mist und Kloake handelt. Bei der von uns angebotenen Begehung der Fläche hätten Sie sich leicht überzeugen können, dass sich kein „Schauspiel“ auf unserer Weide abspielt, sondern lediglich aufgrund der extrem feuchten Wetterlage der letzten Wochen eine matschige Stelle durch Treckerfahrten entstanden ist. Diese umfasst ca. 0,5 ha der insgesamt ca. 6,3 ha großen Weidefläche. Weder dort, noch an anderen Stellen „gären“ die Exkremente. Auch standen oder stehen unsere Tiere zu keinem Zeitpunkt „knietief“ im Schlamm, sondern bewegen sich frei auf der großen Weide und suchen sich die für sie angenehmen Plätze. Durch das regelmäßige Versetzen unserer drei Futterraufen in Richtung trockenem Hügel (der im Hintergrund des Bildes schwach zu erkennen war) sorgen wir zusätzlich dafür, dass der Bereich um die Raufen herum nicht zu sehr aufweicht.

1. Dadurch, dass die Stelle, die mit dem Trecker so oft befahren wurde, so feucht ist und auch andere Teilflächen kleinen Seen gleichen, kann der Fachmann erkennen, dass es sich um Feuchtflächen handelt. Bewusst gibt es hier keine Drainage, damit das Regenwasser und eben auch Ausscheidungen nicht sofort in die Schwentine bzw. den Sibbersdorfer See abfließen, sondern über einen längeren Zeitraum verdunsten bzw. langsam versickern. Gerade das zeigt, dass es hier kaum zu „Sedimentauswaschungen“ kommen kann, sondern die weit verstreut verteilten Kuhfladen sich langsam zersetzen und dem Boden und nicht dem See Nährstoffe zuführen.

2. Es ist bei einer Eintragsbilanz von Nährstoffen, hier jetzt insbesondere Kuhmist und Gülle, auch zu unterscheiden, ob diese in kleinen Mengen über einen langen Zeitraum von November bis April auf den Boden gelangen, wie eben bei unserer Rinderzucht oder im Frühjahr der durch Stallhaltung anfallende Mist und die Gülle an einem Tag intensiv auf drainierte Weiden oder Äcker gespritzt werden. Gerade in diesen Fällen kann es zu den von Ihnen erwähnten Sedimentauswaschungen kommen, wenn dann durch die Dränagerohre die Gülle und Feststoffe ungefiltert in die Bäche, Flüsse oder Seen abfließen. Insbesondere diese punktuelle und die in der wärmeren Jahreszeit an einem Tag erfolgende intensive Düngung auf drainierten Flächen bildet die Gefahr für die Gewässer.

3. Das kleine Foto von der Schwentine zeigt, dass diese sehr viel Wasser führt und die Durchflussgeschwindigkeit und damit der Reinigungseffekt für die Schwentine und den See gerade im Winter sehr hoch wird, was der Regenerierung der Gewässer sehr hilft. Es ist auch gut zu erkennen, dass es natürlich schon heute einen Schutzstreifen von ca. 8 m zwischen Schwentine und der Weidefläche gibt.

4. Zu Ihrer leider für uns verfänglichen Darstellung, dass wir die Rinderzucht als Nebenerwerb betreiben, dass alles hochkomplex ist und wir keine Landwirte sind: Mitinitiator unserer Gruppe war ein studierter Dipl. Agrar-Ing., bevor dieser vor Kurzem aus beruflichen Gründen weggezogen ist. Er steht uns aber weiterhin beratend zur Seite. Ein weiteres Mitglied unserer Gruppe hat eine biologische Ausbildung und wir bilden uns in Futterkamp und anderen Einrichtungen stets weiter.
Wir haben Ihnen erläutert, dass zwar 39 Rinder auf der Weide stehen, die sogenannte Besatzdichte berechnet in Großvieheinheiten (GVE) jedoch wesentlich geringer ist. Bei dieser Berechnung ist die Rasse des Rindes – und die „Galloways“ ist eine sehr kleinwüchsige Rasse – vor allem aber das Alter und damit das Gewicht der Tiere zu berücksichtigen. Da wir eine Mutter-Kalb-Haltung haben (Rinderzucht im Einklang mit der Natur) ist unsere Besatzdichte berechnet in Großvieheinheiten wesentlich geringer.

Jetzt zum Kernanliegen Ihres Artikels, welches auch uns am Herzen liegt:
- die Gewässerqualität des Sibbersdorfer Sees zu verbessern!
Wir nehmen seit letztem Jahr am „Runden Tisch“ des Projektes: Managementplan für das Natura 2000 Gebiet „Gebiet der Oberen Schwentine“ (FFH 1830–391) teil. Die besagte Weide ist bereits im jetzt in den nächsten Tagen fertiggestellten Maßnahmenplan zu o.a. Projekt erfasst. Dieser sieht einen erweiterten Schutzstreifen vor, an dem wir uns selbstverständlich beteiligen werden. Wir halten es mit Ihnen für unser gemeinsames Interesse, den Eintrag von Schadstoffen und Sediment in die Schwentine und den Sibbersdorfer See zu verringern und würden uns freuen, wenn auch Sie, Herr Kuhr, einmal zu den Runden Tischen zum Gewässermanagement der oberen Schwentine kommen würden.

Wir betreiben unsere Rinderzucht im Einklang mit der Natur und werden dies fortsetzen. Weiterführende Informationen, wo unsere Galloways von Mai bis Oktober zur Naturpflege eingesetzt werden, wo die Leser auch das leckere Fleisch der artgerecht gehaltenen Tiere bekommen können, finden Sie auch unter www.schwentine-rind.de. Auch wären wir für Hinweise aus der Leserschaft auf eine sandige, trockene Winterweide, die wir schon seit Jahren zu verträglichen Kosten zu pachten suchen, sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Stange
für
Schwentine-Rind GbR
Eutin, Riemannstraße 100b

Erst vier Tage nach Zusendung des "Offenen Briefes" wurde dieser dann umformuliert und nicht mehr als "Offener Brief" erkennbar folgender Brief ganz unten rechts auf Seite 4 abgedruckt: